„Denn ich war hungrig und ihr habt mir zu essen gegeben; ich war durstig und ihr habt mir zu trinken gegeben; ich war fremd und ihr habt mich aufgenommen.“ (Mt 25,35)
Am 30. August erinnern wir mit dem Tag des Kirchenasyls an den Tod von Cemal Kemal Altun 1983 in Berlin. Sein Suizid aus Angst vor einer Auslieferung an die türkische Militärdiktatur bewegte Kirchengemeinden zu den ersten Kirchenasylen. Sie wollten nicht länger hinnehmen, dass Menschen bei einer Abschiebung um ihr Leben fürchten müssen oder dieses gar beenden, sondern entschieden sich zum Handeln.
Auch heute ist Handeln geboten, wenn im Fall einer Abschiebung Menschenrechte missachtet werden und Leben in Gefahr geraten. Die Situation ist ernst: Menschenrechte werden als unzeitgemäß kritisiert, anerkannte Flüchtlinge werden in Obdachlosigkeit und Ausbeutung an den europäischen Außengrenzen abgeschoben und über Abschiebezentren in Usbekistan oder Tunesien wird verhandelt. Umso mehr müssen die Kirchen unmissverständlich klar machen: Wir stehen an der Seite der Schutzsuchenden!
Dieses Einstehen für die Rechte von Schutzsuchenden durch Kirchenasyl steht ebenfalls in der Kritik. Dabei könnten Staat und Kirchen miteinander lernen, eine menschlichere und gerechtere Gesellschaft zu stärken.
Wir bitten Sie, zum diesjährigen Tag des Kirchenasyls an die humanitäre Verpflichtung der Kirchen zu erinnern. Papst Leo XIV formulierte es im Juni diesen Jahres auf Gran Canaria so:
„Hier kommen so viele verwundete Menschenleben an, denen fast alles genommen wurde, aber niemals ihre Würde. Hier reißt uns das Evangelium aus der bequemen Rolle des Zuschauers heraus… Es fragt uns, ob wir Christus in denen erkannt haben, die voller Angst, Hunger und Gewalt an Land gehen, nach der Wüste, der Nacht und dem Meer.“
Nehmen Sie gern auch die Fürbitten zu diesem Tag mit in Ihre Gebete. Wir werden auch weiterhin mit Kirchenasylen für eine menschlichere und gerechtere Gesellschaft eintreten. Wir werden denen zu essen geben, die hungrig sind, denen zu trinken, die durstig sind und diejenigen aufnehmen, die Schutz suchen.
Wir freuen uns, wenn Sie mit uns gedenken und handeln!
