Liebe Engagierte im Kirchenasyl,
wer Kirchenasyl gewährt, handelt aus einer tiefen Gewissensüberzeugung: dass kein Mensch schutzlos zurückgelassen werden darf. Das ist ein christlicher Grundsatz – und er verpflichtet uns mehr, als wir manchmal ahnen.
Verantwortung endet nicht damit, einen Menschen an der Kirchentür aufzunehmen; sie beginnt im Kirchraum auf ganz neue Weise. Denn Schutz im Kirchenasyl zu gewähren, heißt, für die Sicherheit von Menschen zu sorgen: vor Abschiebung ebenso wie vor Übergriffen im Alltag. Schutzsuchende brauchen sichere Räume – und das gilt für den konkreten Ort genauso wie für Beziehungen, die entstehen.
Aus dem, was wir als Kirche in den letzten Jahren über Macht, Nähe und Abhängigkeit schmerzhaft gelernt haben und immer noch lernen, wissen wir, welche Formen Machtmissbrauch annehmen kann. Und auch, dass ganz unbeabsichtigt Grenzverletzungen durch Menschen geschehen, die aufrichtig helfen wollen.
Kirchenasyl ist gelebte Nächstenliebe. Und gelebte Nächstenliebe schaut hin, auch wenn es unbequem ist oder nicht leichtfällt, ein Thema anzusprechen. Dieser Werkzeugkasten hilft dabei. Er ist ein Angebot zur Sensibilisierung und Stärkung – für Sie als Engagierte und für die geflüchteten Menschen, die Ihnen anvertraut sind. Ich danke Ihnen für die Bereitschaft, auch diese Dimension des Kirchenasyls in den Blick zu nehmen. Darin zeigt sich, wie ernst Sie die Schutzverantwortung nehmen, die Sie mit dem Kirchenasyl übernommen haben.
Bischof Dr. Christian Stäblein
Flüchtlingsbeauftragter der EKD
Berlin im Juni 2026
